Foto-Story – Roman Klemm 1986 bis 2026: 40 Jahre am Norisring

1. August 2026
Text und Fotos von Roman Klemm


Der Norisring ist keine permanente Rennstrecke. Es handelt sich einfach um eine riesige betonierte Fläche, die die NSDAP bei Nürnberg für ihre pompösen jährlichen Paraden angelegt hat. Dass an diesem Ort, der nach dem Krieg US-Army-Gebiet war, Rennen stattfinden, verdanken wir einem sehr aktiven lokalen Club von Enthusiasten, dem MCN (Motorsport Club Nürnberg). Schon Ende der 40er Jahre holte man sich bei den Besatzern eine Genehmigung, Motorrad- und Autorennen zu veranstalten. Das Event entwickelte sich zu einem der besten in Deutschland – dank der Beliebtheit bei Prominenten wurde es sogar das „deutsche Monaco“ genannt. Ich weiß, es ist leicht, die Gegenwart mit dem Spruch „früher war alles besser“ zu kritisieren. Aber wenn ich meine Fotoalben und Erinnerungen an 40 Jahre Norisringbesuche durchblicke, ist genau das mein Gedanke. Irgendwie finde ich einfach nichts, was 2026 am Norisring besser wäre als 1986…


Bei meinem ersten Besuch am Norisring am 28. Juni 1986 (die Eintrittskarte kostete 20 DM) habe ich es geschafft, in eines der Hochhäuser direkt über der Grundig-Kehre zu kommen, die seit jeher als ‚Aussiedler-Lager‘ dienen. So entstand dieses großartige Bild, auf dem im Rennen um die Weltmeisterschaft der Prototypen (!) Stuck vor Ludwig, Wollek, Cheever, Warwick, Boutsen, Brun, Schlesser, Konrad, Weaver, Jelinski, Giacomelli und Winter zu sehen sind. Jeder Name eine Legende. Ich vergleiche das lieber nicht mit dem ‚Star-Angebot‘ von 2026… © Roman Klemm

Das zweite Bild aus dem Jahr 1986, und wieder etwas, das heutzutage fehlt: erstklassige F3-Monoposti! Bernd Schneider vor Victor Rosso und Kris Nissen in der Grundigkehre. Als Dritter von hinten fährt Manuel Reuter. Schneider und Reuter sind 40 Jahre später Fahrer-Coaches bei Mercedes und Ford in der DTM. Beachten Sie auch die damals fehlenden Betonblöcke und Zäune um die Strecke – die Zuschauer hatten einfach freie Sicht auf die Autos!  © Roman Klemm

Auch 1987 startete die Prototypen-WM am Norisring. Mein ewiger Favorit Mike Thackwell auf dem Sauber-Mercedes führte lange, bevor er wegen Dehydrierung aufgeben musste… © Roman Klemm

Damals habe ich mich frech (da illegal) auch auf den Start der blühenden klassischen DTM geschlichen. Sexy Schönheiten vor dem Alpina-BMW – so muss es sein. Am Auto ist der Gründer der Marke Burkhard Bovensiepen. © Roman Klemm

Im Jahr 1989 kehrte Kris Nissen gerade auf dem Norisring ins DTM-Cockpit zurück – nach seinem lebensgefährlichen Feuerunfall in Fuji. Erschöpft musste er in der Box quasi ‚wiederbelebt‘ werden. Rechts über ihm ist der legendäre Masseur von Niki Lauda, Willi Dungl. © Roman Klemm

Eine Aufnahme des Schöller-S von der höchsten Plattform der Steintribüne, wo man 1995 noch stehen durfte: Im Rennen hat sich gerade Tom Coronel gedreht. Oben passiert ihn de Graaf und unten das damals aufstrebende F3-Sternchen Jarno Trulli. © Roman Klemm

Über den Direktor des MCN, Gernot Leistner, sagte man, er hätte bezüglich des Schönwetters „eine Abmachung mit Gott“. Im Jahr 1996 regnete es ausnahmsweise. Die DTM nannte sich damals „ITC“ und ihre Boliden stellten den Höhepunkt der Automobiltechnik dar. Hier fährt JJ Lehto auf der nassen Geraden in einem Opel Calibra des Keke-Rosberg-Teams. © Roman Klemm

Die Formel 3 in 1997: Henzler, Enge und Simon in der Grundig-Kehre. © Roman Klemm

Im Jahr 2002 traf ich am Norisring zum ersten Mal Nico Rosberg, der damals in der Formel BMW fuhr… © Roman Klemm

…und die Pop-Ikone Kim Wilde, die von Opel eingeladen wurde. © Roman Klemm

Im Jahr 2005 kämpfte in der Formel 3 das talentierte schwarze Nachwuchstalent Lewis Hamilton… © Roman Klemm

…mit der deutschen Hoffnung Sebastian Vettel. Am Start waren auch Sutil, di Resta, di Grassi, van der Garde, Duval und Guerrieri. Die F-BMW-Rennen gewann damals ein gewisser Niko Hülkenberg. Nennt mir einen einzigen Fahrer des Jahres 2026, der Aussicht darauf hat, auch ein F1-Star zu werden? © Roman Klemm

Ein Jahr später bekam der junge Vettel vom Sponsor ein Rad. © Roman Klemm

Im Jahr 2006 war die DTM mit großen Namen wie Alesi, Frentzen, Schneider und Coulthard bestückt. Auf dem Foto ist Mika Häkkinen im AMG-Mercedes in der Grundig-Kehre. © Roman Klemm

Der ganz junge Jules Bianchi auf dem Pre-Grid 2008. © Roman Klemm

In der Saison 2010 startete Catherine Legge in der DTM. © Roman Klemm

Zum Norisring – hier 2013 an der Grundigkehre – begleitete mich oft mein Sohn. ©
Roman Klemm

Giovinazzis Unfall in der Formel 3 im Jahr 2014. © Roman Klemm

Im Jahr 2014 kämpft der zukünftige Indy500-Sieger Felix Rosenqvist mit dem zukünftigen GP-F1-Sieger Esteban Ocon um Plätze in der Schikane. © Roman Klemm

Sensationelles Treffen der Formel-V-Veteranen im Jahr 2015. In der Mitte der legendäre Gründer der Marke Kaimann, Kurt Bergmann. © Roman Klemm

Am Denkmal an der Stelle des tödlichen Unfalls des legendären Pedro Rodriguez. Nur wenige wissen, wo es ist… © Roman Klemm

Gesunde DTM 2016: mit Audi-, Mercedes- und BMW-Werksbeteiligung © Roman Klemm

Tschechische Schönheiten, wohin das Auge auch blickte – der Norisring 2016 bot noch eine grandiose Show. © Roman Klemm

Noch im Jahr 2018 gehörte die Wahl zur „Miss Norisring“ zur Tradition des Race-Weekends. © Roman Klemm

2019 veranstaltete man ein sehr gelungenes Revival der ProCar-Serie mit sensationellen BMW M1 und vielen Stars am Steuer. © Roman Klemm

Sogar die legendäre Jochen Neerpasch kam vorbei, um sich diese Show anzusehen. © Roman Klemm

Nach der „Corona-Lüge“ musste man es als Erfolg werten, dass die Rennen am Norisring 2022 überhaupt wieder stattgefunden haben. Die DTM startete aber nur noch als GT-Serie. Die Zeit des Niedergangs begann… © Roman Klemm

Mein persönlicher Höhepunkt des Norisrings 2023: Jemand hatte die Idee, im Fahrerlager den sensationellen DRM-Lotus von Harald Ertl und Mario Ketterer auszustellen. © Roman Klemm

Norisring heute, im Jahr 2026: Der Bahnhof in der Dutzenddeichkehre wird repariert (siehe Foto), die Stehtribüne wird saniert, die Strecke ist mit Sperrzonen eingezäunt, Formelserien fehlen und die Starterfelder sind (Ausnahme Porsche Cup) lächerlich klein. Hoffnung gibt nur die Tatsache, dass „es nur besser werden kann…“ © Roman Klemm