Meine Wiederentdeckung der alten Liebe zum Drag-Racing

Text und Bilder: Roman Klemm
23. August 2026

In meiner Kindheit war die Szene der Geschwindigkeitsrekorde (und damit auch der „Dragster“) recht beliebt. Wer hat schon den „The Blue Flame“, mit dem Gary Gabelich 1970 erstmals die Marke von 1000 km/h durchbrach, nicht gekannt? Und nicht nur das. Natürlich kannten wir von Bildern und Drucksachen neben der „Blauen Flamme“ auch die „Ewig Unzufriedene“, die „Blauen Vögel“, „Grüne Monster“, „Geister Amerikas“ und andere Ungeheuer auf Rädern, die Abenteurer wie Camille Jenatzy, Malcolm und Donald Campbell, Art und Walt Arfons oder Craig Breedlove unter Lebensgefahr zu bändigen versuchten.

Mein „Drift in Richtung Rundstreckenrennen“ war aber stärker. Außerdem sind der Bonneville-See und die Strände von Daytona oder Pendine (wo Gabelich und seinesgleichen alles riskierten) von Mitteleuropa weiter entfernt als Monza, Zeltweg oder Monaco. Die Welt der Geschwindigkeitsrekorde und Dragster habe ich irgendwie aus den Augen verloren.
Also bis auf eine kleine Ausnahme. 1988 besuchte ich das EM-Rennen in Zeltweg, wo man die Zielgerade des damaligen Österreichrings als Drag-Strip nutzte. Die gemessene Strecke war daher nur sehr kurz – ungefähr 200 Meter. Mehr als die Beschleunigung der „Raketen“ beeindruckte mich damals die Bereitschaft der Teilnehmer, für nur fünf 4-Sekunden-Fahrten extra aus Norwegen oder Schweden nach Österreich zu reisen…

Seit über 40 Jahren besuche ich den Hockenheimring. Die Tatsache, dass die letzte Kurve seit mehreren Jahrzehnten auch als Startareal eines Drag-Strips dient, habe ich bisher ignoriert, obwohl ich von dem Erfolg des jährlichen Events NitrOlympX gelesen habe.

Mut, Geschwindigkeit und Lautstärke: NitrOlympX 2026 ©Roman Klemm

Im August 2026 habe ich mir nach 38 Jahren wieder die Dragster-Europameisterschaft gegeben. Und auch wenn die Veranstaltung ein problematisches Ende hatte, werde ich ab jetzt auf jeden Fall jedes Jahr zurückkehren. Ich habe zwei Tage grenzenloser Begeisterung, sportlichen Geistes und Leistungen, Mut, technischen Overkills und Schönheit erlebt. Dazu das heutzutage so seltene Entgegenkommen des Veranstalters (Hockenheimring GmbH), den Fans mehr zu bieten als nur fahrende Vehikel: Am Samstag hat man eine gelungene „Night Show“ organisiert, die allein für sich einen Besuch wert wäre.

Dabei sind die Regeln des Drag-Racing auch für Laien leicht zu verstehen. Wer es über die 600 Meter unter die 8 Schnellsten schafft, qualifiziert sich für die Sonntagsläufe. Wer dann in den Duellen seinen Gegner besiegt, kommt weiter bis ins große Finale. Dabei informieren riesige Bildschirme die Fans, und ein sensationeller Sprecher, der mich dadurch beeindruckt hat, dass er bereits im Moment eines Ausfalls den Grund der Panne nennen konnte.

Die heiß erwarteten Finalfahrten fanden in Hockenheim aus Zeitgründen leider nicht statt. Werden im Rundstreckensport die Rennen durch unmotivierte Neutralisierungen und Unterbrechungen gestört, sind es bei den Dragstern die „Pflege der Strecke“ und Regen. Die Schnellsten erreichen Geschwindigkeiten von über 500 km/h, weshalb selbst die kleinsten Verschmutzungen penibel entfernt werden. Als am Nachmittag ein explodiertes Getriebe fast die gesamte Strecke mit Öl überzog, musste der Veranstalter mit Tränen in den Augen (wortwörtlich!) dem Publikum mitteilen, dass die Bahn bis zum „Torschluss“ (18:00 Uhr) nicht mehr gereinigt werden könne.

Auch so ist für mich der Besuch von NitrOlympX ab sofort ein jährliches MUST. Wenn man im Motorsport ungewöhnlichen Mut der Fahrer (viele davon Frauen!), ein frei zugängliches Fahrerlager, brachiale Kraft und kernigem Sound sucht (also das, was die F1 nicht mehr bietet), so ist man hier genau richtig!

Einfach schön: Die Kreationen der Dragster-Designer ©Roman Klemm