Kris Nissen präsentierte in Hockenheim die neue deutsche Formel-4-Meisterschaft

10. Oktober 2026 Hockenheimring
Text und Fotos: Roman Klemm

Das früher so stolze „Autoland“ Deutschland hat seit vielen Jahren keinen eigenen Auto-Grand-Prix mehr und auch keine nationale Formel-Meisterschaft. Die Folgen dieses Mangels haben sich schnell eingestellt: In der F1 „vertritt“ das Land der Motoren-Erfinder nur ein einziger wenig populärer Rentner, in den Juniorenklassen F2, F3 und F-Regional NIEMAND! (Auch Österreicher oder Schweizer wird man hier ergebnislos suchen). Die Zeiten des „Schumi-Fiebers“ sind einfach unwiederbringlich vorbei. Als ich mich im Rahmen der diesjährigen DTM-Tests in Spielberg beim ADAC-Boss erkundigte, warum sich sein mächtiger Klub nicht wenigstens um eine heimische F4 kümmert, antwortete er, dass „für eine solche Meisterschaft in Europa kein Platz sei.“ Ich dachte nur: „Dann also gute Nacht, deutscher Motorsport.“

Maren Braunmit Kris Nissen im Gespräch ©Roman Klemm

Vor einigen Monaten begann man allerdings darüber zu sprechen, dass man in Deutschland im Jahr 2027 die Formel 4 doch wieder auf die Beine stellen könnte! In Hockenheim hat nun der Botschafter der „German-F4-Championship“, der ehemalige F3-Champion und VW-Motorsport-Direktor Kris Nissen, diese rein private Initiative offiziell vorgestellt. Dies wären die wesentlichen Punkte der Pressekonferenz, an der am Samstagabend neben Nissen etwa 10 Journalisten und die gleiche Anzahl von ADAC- und DTM-Funktionären teilnahmen.

Nissen bestätigte, dass die Organisation „Gedlich Racing“ sieben Veranstaltungen durchführen wird, bei denen jeweils drei Rennen gefahren werden: „Es gab ein Interesse, das 77 Autos entsprach, wir haben 36 ausgewählt und werden dafür sorgen, dass alle 36 auch fahren können. Niemand wird als nicht qualifiziert vorzeitig nach Hause fahren müssen.“

Ein enormer Vorteil der deutschen F4 ist natürlich die Tatsache, dass fünf Veranstaltungen im Rahmen der sehr populären DTM stattfinden werden. Einige damit verbundene Punkte sind jedoch noch nicht klar. „Wir suchen noch nach einem Hauptsponsor der Serie und überlegen, wie wir die Fernsehübertragungen gestalten werden“, gab Nissen zu. Nur die Rennen auf dem klassischen Norisring sind laut dem Dänen noch nicht ganz sicher: „Diese Strecke hat aktuell noch keine Lizenz für Monoposto-Rennen.“
Ein Vertreter des ADAC bestätigte, dass an den DTM-Wochenenden keine der aktuellen GT-Serien zugunsten der F4 gestrichen wird: „Wir werden zeitlich alles unterbringen können.“

Deutsche Formel 4-Comtoyou -Tatuus F4-T421, ein F-4-Bolide mit einem 1,4-Liter-Abarth-Turbomotor mit rund 180 PS ©Roman Klemm

Die Frage, wie viel jeder Pilot für die Teilnahme zahlen muss, konnte oder wollte Nissen nicht beantworten – vorausgesetzt, alle Cockpits werden besetzt, muss er sich darüber ohnehin keine Sorgen machen. Die Einschreibegebühr für die Saison beträgt 35.000 Euro. Die Gesamtkosten schätzen Insider allerdings auf 500.000 bis 600.000 Euro. Das früher so populäre Thema „wir bemühen uns um ein kostengünstiges Formel-Konzept“ spielt inzwischen keine Rolle mehr. In dieser Hinsicht hat der Promoter kapituliert, und „Racing“ bleibt einfach ein Elitensport. Nissen gab wörtlich zu, dass „es nicht möglich ist, die privaten Tests einzelner Teams zu regulieren“ – und das ist gleichzeitig eines der Hauptelemente der finanziellen Belastung der Teilnehmer. Im Sinne der Geldverfeuerung wird die D-F4 bereits am Donnerstag freie Testfahrten anbieten!

Kris Nissen mit Vertretern der Formel 4 ©Roman Klemm

Es bleibt also die Frage, was der eine oder andere junge Mann davon haben wird, wenn er sich mit dem Titel „Meister der Deutschen F4“ brüsten darf? Wohl nur ein Diplom und den Druck in die nächsthöhere Klasse aufzusteigen – was eine weitere Belastung für Papas Geldbeutel bedeuten wird. Zum Eintritt in eine finanziell unterstützte Talentakademie „als Belohnung“ wird dieser Titel eher nicht führen. Auf meine diesbezügliche Frage antwortete Kris Nissen: „Das musst du die Herren vom ADAC fragen.“ Und die hatten keine Antwort…

Fazit: Die Einführung der deutschen F4-Meisterschaft ist für jeden Fan und Beobachter sicherlich eine sehr positive Neuigkeit. Sie wird zumindest das GT-Stereotyp an den DTM-Wochenenden durchbrechen. Sorgen müssen sich aber sicherlich die Organisatoren der „benachbarten“ CEZ F4 machen. Beide Meisterschaften werden ohne Zweifel im Kampf um die Teilnehmer konkurrieren – auch wenn ihre Termine nur einmal kollidieren. Mal sehen, wer länger durchhält…

Kalender der deutschen Formel 4 2027:
9. Mai – Oschersleben
20. Juni – Lausitzring
4. Juli – Norisring*
1. August – Spielberg
22. August – Nürburgring
26. September – Sachsenring
3. Oktober – Hockenheim
* noch nicht endgültig bestätigt

Eingetragene Teams:
Van Amersfoort Racing
Mathilda Racing
Vanwall F4 Racing
AS Motorsport
Comtoyou Racing
CRAM
drive.solutions
Dutt Motorsport
FS Motorsports
Jenzer Motorsport
LN4 Fusion
PK Carsport
Renauer Motorsport
Step Motorsport