13. September 2026, Madrid
Text und Foto: Roman Klemm
Der neue FIA-F3-Meister Ugo Ugochukwu Orlandi ist sicherlich nicht der neue Hamilton,
obwohl ihn mit dem englischen F1-Champion mehr verbindet als seine exotische Hautfarbe. Während Hamilton eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater hat, ist es bei Ugo genau umgekehrt: Sein Vater ist ein italienischer Modedesigner und seine Mutter ein Model aus Nigeria. Gemeinsam haben Lewis und Ugo eine sehr ruhige Art und die Fähigkeit, schnell mit Rennautos umzugehen. Beide kamen früh in das Juniorenteam von McLaren, dem Hamilton de facto alles verdankt. Hier enden aber alle Gemeinsamkeiten. Der um etwa 40 cm größere Junge aus New York wurde von den „orangen“ letztes Jahr entlassen. Trotzdem wurde er ein Jahr früher als Hamilton F3-Meister – bereits mit 19 Jahren. Sein Weg ins Grand-Prix-Cockpit wird aber sicher nicht so geradlinig sein.

Zum Champion wurde der Fahrer des spanischen Teams Campos nach einem langen Duell mit dem britischen Nachwuchsstar Freddie Slater, der für das italienische Team Trident startete. Erst beim letzten Rennen der Saison auf der neuen Strecke „Madring“ in Madrid fiel die Entscheidung. Punkte wurden dort ausnahmsweise gleich dreimal (in einem Sprint und zwei Rennen) vergeben, wobei Slater mit einem Vorsprung von 15 Punkten anreiste.
Schon die Doppel-Qualifikation auf dem Kurs, der eine eher misslungene Mischung aus der russischen Strecke in Sotschi und den amerikanischen provisorischen städtischen Betonkanälen darstellt, deutete viel über den Verlauf des Wochenendes an. Während sich die Samstags-Pole-Position der Japaner Taito Kato sicherte, hatte Ugochukwu die besseren Karten im Titelkampf. Er fuhr hinter Clerot und Taponen auf Rang 4, während ein nervöser Slater nur eine aussichtslose 17. Position erreichte. Auch für das entscheidende Sonntagsrennen hat sich der Schwarze eine bessere Ausgangsposition vorbereitet, als der Engländer. Er konnte von Platz 2 hinter dem Finnen Taponen starten, und Slater (P8) musste auf ein Wunder hoffen – oder auf Ugos Fehler.

Die hat sich Ugochukwu allerdings nicht geleistet. Im Sprint sicherte er sich 2 Punkte für den 8. Platz, während Slater leer ausging. Am Samstagnachmittag, als „fette“ Punkte im Hautprennen verteilt wurden, feierte der Brasilianer Clerot seinen ersten F3-Sieg – und Ugo kam als 4. ins Ziel, was ihn vor dem Sonntagsfinale an die Spitze der Gesamtwertung katapultierten. Slater „krönte“ sein schlechtes Wochenende im Industriegebiet von Madrid genau zur Rennhalbzeit mit einem Ausrutscher in die Barrieren.
Auch am Sonntag konnte den hoch gewachsenen Amerikaner nichts aus dem Konzept bringen. Mit Bravour hielt er seine zweite Position hinter Taponen, Slater kam über Platz 8 nicht hinaus. So wurde der Fahrer mit dem einfachen Mario Andretti-Helmdesign zum Champion der Formel-3-Saison 2026. Sein ehrgeiziger Weg mit dem Ziel der zweite schwarze F1-Fahrer der Geschichte zu werden, kann also weiter gehen – an Geld fehlt es dem New Yorker sicher nicht…
Dieses Jahr entschied in der F3 das regelmäßige Punktesammeln. Beide Duellanten gewannen nur ein Hauptrennen. Ugochukwu und Slater werden sich sicher 2027 wiedersehen, eine Stufe höher in der Formel 2, wo ihnen sicher auch weitere Kollegen aus der F3-Tabellenspitze gegenüberstehen werden…
FIA-F3 2026 – Gesamtstand:
1. Ugo Ugochukwu (USA) 159 P.
2. Freddie Slater (UK) 145 P.
3. Tuukka Taponen (Fin.) 109 P.
4. Taito Kato (Jap.) 105 P.
5. Theophile Nael (Fra.) 88 P.
6. Pedro Clerot (Bra.) 88 P.
7. Ernesto Rivera (Mex.) 87 P.
8. Brando Badoer (Ita.) 71 P.
9. Hiyu Yamakoshi (Jap.) 71 P.
10. Noah Stromsted (Dan.) 65 P.





